Die Güsse sind Kneipps ureigenste Erfindung und hervorragend geeignet bei chronischen Krankheitsprozessen. Man unterscheidet in der Kneipptherapie sogenannte Flachgüsse und Blitzgüsse. Bei Flachgüssen wird nur ein geringer Druck verwendet. Das entscheidende eines Gusses liegt darin, dass immer ein Wassermantel um die Haut gelegt wird während bei einem Blitzguss neben dem Temperaturreiz des Wassers auch ein druckmechanischer Reiz des Wasserstrahls hinzu kommt.
Mit den Güssen können wir über den sogenannten Head schen Zonen auch innere Organe ansprechen. Bei jedem Guss kommt es immer zu einer Mitreaktion des gesamten vegetativen Nervensystems. Wir verabreichen Güsse als kurze Kaltgüsse, als Wechselgüsse, als temperierte Güsse oder als Heißgüsse. Es kommt während eines Gusses zunächst zu einer kurzen Gefäßverengung, dann allerdings tritt die sogenannte reaktive Gefäßerweiterung ein, was zu einer vermehrten Durchblutung, zu einer Regulierung der Blutdruckverhältnisse und zu einer Harmonisierung des vegetativen Nervensystems führt.
Der Gesichtsguss Der Gesichtsguss ist eine leichte Gussform und wird angewandt bei geistiger und allgemeiner Ermüdung sowie bei Konzentrationsschwäche. Der Guss beginnt unterhalb der rechten Schläfe, umkreist das Gesicht in Richtung Kinn, dann erfolgen einige Querstriche über die Stirn und schließlich wird der Guss durch kreisförmige Umgießung des Gesichts beendet.
Der Knieguss Der Knieguss wird angewandt bei Stauungen im Bereich der Beine, bei Hypotonie, bei Migräne, bei Kopfschmerzen und bei Durchblutungsstörungen der Beine.
Technik: Man beginnt an der Außenseite des rechten Beines, gießt etwa eine Hand breit bis über das Knie, dort verweilt man etwa fünf Sekunden, um einen Wassermantel über dem Unterschenkel zu bilden und steigt dann mit dem Wasserstrahl an der Innenseite des Unterschenkels ab bis zur Ferse. Zum Schluss werden die Fußsohlen rechts und links begossen.
Der Schenkelguss Der Schenkelguss hat eine blutdrucksenkende und auf die Durchblutung eine belebende Wirkung. Auf die Venen wirkt er tonisierend und wird ansonsten bei vegetativen Störungen und bei Schlafstörungen zusätzlich noch angewandt.
Bei Obstipation verwenden wir den Wechselschenkelguss zusammen mit der heißen Leibspirale. Es handelt sich bei dieser Leibspirale um eine kreisförmige, spiralförmige Umgießung des Leibes. Dieser Guss hat auch eine enorme Wirkung die Beckenorgane. Technik: man beginnt mit der Schlauchführung am rechten Fuß außen aufwärts bis zur Leiste, dort verweilt man kurz mit dem Wasserstrahl, um einen Wassermantel um das ganze Bein zu legen. Auf der Innenseite wird dann der Schlauch wieder abwärts geführt. Zuletzt werden beide Fußsohlen begossen.
Der Wechselbrustguss Wir beginnen den Wechselbrustguss mit warmem Wasser, wobei die Brust n Achter- Formation zunächst warm, dann kurz kalt, im Wechsel zweimal begossen wird. Der Wechselbrustguss eignet sich zur Behandlung von vegetativen Herzbeschwerden, bei chronischer Bronchitis, bei Erkältungsneigung und bei Asthma cardiale. Bei koronarer Herzerkrankung verwenden wir den warmen Brustguss.
Der Armguss Kalt wird der Armguss verordnet bei Bluthochdruck, bei Kreislaufstörungen und Herzmuskelschwäche. Bei rheumatischen Erkrankungen der Armgelenke, bei Nervenstörungen und bei arteriellen Durchblutungsstörungen der Arme bevorzugen wir den Wechselarmguss. Technik: man beginnt mit warmem Wasser an der Außenseite des rechten Armes, wobei der Schlauch aufwärts geführt wird bis zur Schulter. Nach kurzem Verweilen führt man nach innen abwärts und wechselt auf den linken Arm. Diese Gussformation erfolgt zunächst mit warmem oder heißem Wasser, bis sich die Haut rot verfärbt, dann wird mit kaltem Wasser der sogenannte Kaltreiz verabfolgt. Dieser Wechselguss wird zweimal durchgeführt; man beginnt mit warmem Wasser und endet mit kaltem.
Der Oberguss Wie alle Güsse wird der Oberguss sowohl als Kalt- wie auch als Wechselguss verabreicht. Wir verordnen diesen Oberguss bei allen Erkrankungen der Lunge und des Herzens, insbesondere bei chronischer Bronchitis, bei Asthma bronchiale, bei Herzinsuffizienz und bei funktionellen Herzbeschwerden.
Der Vollguss Der Vollguss wird wegen seiner enormen Wirkung auf den Kreislauf erst in der 2. Kurwoche gegeben. Er wirkt stark kreislauffördernd, vegetativ stabilisierend, stoffwechselanregend und gilt als eine der besten Maßnahmen zur allgemeinen Abhärtung.
Der Blitzguss Bei rheumatischen Beschwerden, bei chronischen Rückenschmerzen, bei Lumbalgie und bei Ischialgie ist das Mittel der Wahl: heiße Rückengüsse, ansteigend heiße Lumbalgüsse oder der Rückenheißblitz. Was das Skalpell in der Chirurgie, ist das Blitzguss in der Hydrotherapie. Er ist eine Kombination aus Wasserdruck und Temperatur. Technik: er wird in einer Entfernung von drei bis vier Metern verabreicht. Soll die Wirkung noch verstärkt werden, dann kommt das Blitzgussmassagebad in Frage. Es ist dies eine Kombination eines Vollbads mit einem anschließenden heißen Segment oder Rückenblitz.
Bei älteren Menschen verwenden wir bei Ischiasbeschwerden nicht den Blitzguss, sondern den ansteigend heißen Lumbalguss. In ansteigender Temperaturfolge beginnt man bei 34 Grad und seigert die Temperatur langsam auf 43 bis 45 Grad. Es kommt hierbei zu einer hervorragenden, entspannenden Wirkung auf die gesamte Lendenwirbelmuskulatur. Anschließend wird der Patient ins warme Bett gepackt.
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